HCV-Therapie

Es gibt Möglichkeiten die akute (Infektionsdauer < 6 Monate) und die chronische (Viruspersistenz > 6 Monate) Hepatitis C Infektion zu therapieren.

Akute Hepatitis C –Infektion:

nicht jede akute Hepatitis C Infektion geht in ein chronisches Stadium über. Insbesondere die symptomatische, also mit Beschwerden einhergehende Infektion kann auch spontan ausheilen (Gerlach et al. Gastroenterology 2003;125:80-8). Insofern sollte die Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt einer medikamentöse Behandlung der Hepatitis C Infektion zusammen mit einem/r erfahrenen Behandler/-in getroffen werden.

Festzuhalten ist, dass die modernen direkt antiviral wirksamen Subtanzen (DAA) aktuell nicht zur Therapie der akuten Hepatitis C zugelassen sind.

Chronische Hepatitis C –Infektion:

Die Therapie der chronischen Hepatitis C hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Mit der Zulassung von Victrelis® (Boceprevir = BOC) und Incivo® (Telaprevir = TVR) wurde aus dem bis dahin gültigen Therapiestandard, einer Kombination von pegyliertem („Verzögerungs-„) Interferon (PegIFN) und Ribavirin (RBV), die Behandlung von chronisch Hepatitis C (HCV) Genotyp (GT) 1- Infizierten zunächst eine Dreifach-Kombinationstherapie.

Kaum etabliert, wurden TVR und BOC zu Beginn des Jahres 2014 von der zweiten Welle der direkt antiviral wirksamen Substanzen (DAA) überrollt.

Mit der Kombination des Polymerasehemmers Sofosbuvir (SOF) und dem NS5A-Hemmer Ledipasvir (LDV) in einer Kombinationstablette (Harvoni® = SOF/LDV) wurde 2014 eine erste Kombinationstherapie in einer Tablette (genannt FDC = fix dose combination) für die Genotypen 1, 3 und 4 zugelassen. Es folgten in kurzen Abständen weitere Kombinationspräparate, die auch weiterhin zur Behandlung einer chronischen Hepatitis C eingesetzt werden können. Grazoprevir/Elbasvir (Zepatier®=GZR/EBR) ist zur Behandlung der Genotypen 1 und 4 zugelassen. SOF/Velpatasvir (VEL) (Epclusa®), Glecaprevir/Pibrentasvir (Maviret®=GLE/PIB) und SOF/VEL/Voxilaprevir (VOX) (Vosevi®) sind pangentypisch, also gegen die Genotypen 1 bis 6, wirksam. SOF/VEL/VOX ist auch für DAA vorbehandelte Patienten, also nach einem gescheiterten Therapieversuch mit DAA, zugelassen.

Mit den neuen DAA kann auf die Gabe des nebenwirkungsreichen Interferons verzichtet werden. Die Therapiezeit hat sich in der Regel auf 8 - 12 Wochen verkürzt und die Chance auf eine dauerhafte Heilung (sustained virological response = SVR) deutlich vergrößert, in der Regel auf mehr als 90%. Auch die Verträglichkeit hat sich verbessert. Weiterhin werden aber nicht alle chronisch Hepatitis C Infizierten gleich behandelt. U.a. spielen der Hepatitis C Genotyp, eine mögliche erfolglose DAA Vorbehandlung, das Stadium der Lebererkrankung, zusätzliche Erkrankungen und weitere medikamentöse Behandlungen mit möglichen Wechselwirkungen bei der Wahl der richtigen Hepatitis C Kombinationstherapie eine Rolle.

Für die verschiedenen Gruppen Hepatitis C Infizierter werden in verschiedenen Therapieempfehlungen unterschiedliche Kombinationsbehandlungen empfohlen. Diese sind z.B. auf den Internetseiten der "Deutschen Gesellschaft für Stoffwechselerkrankungen", DGVS, oder der "European Association for the Study of the Liver" (EASL) einsehbar und werden regelmäßig aktualisiert. Meist kann bei der Auswahl der richtigen Therapie auf die Kombination der DAA mit dem Wirkstoff Ribavirin verzichtet werden.

Die Entwicklung der DAA scheint mit der Zuklassung der genannten Medikamente abgeschlossen. Dennoch gilt weiterhin, dass eine sorgfältige Diagnostik vor Behandlungsbeginn, eine ausführliche Beratung über die Notwendigkeit, die Risiken und zu erwartenden Nebenwirkungen durch eine(-n) Hepatitis C Spezialist (–in) unabdingbar ist. Regelmässige Kontrollen sollten sowohl während der antiviralen Therapie, als auch als Bestätigung des Therapieerfolges im Anschluss erfolgen. Komplexer ist die Therapie Hepatitis B-, D- oder HIV-Koinfizierter Patienten.

Für chronisch Hepatitis B oder C Infizierte mit einer HIV-Koinfektion gibt es neben den bereits genannten zusätzliche Therapierichtlinien und Empfehlungen der "European AIDS Clinical Society", EACS, die auf deren Internetseite abrufbar sind.