HIV-Stadien

Zur besseren internationalen „Verständigung“ und um Missverständnissen vorzubeugen, wurde 1993 von den Centers for Disease Control (CDC) in den USA und der Weltgesundheitsorganisation WHO ein Klassifikationssystem erdacht, welches eine bessere Einteilung des Schweregrades der Erkrankung, die Festlegung eines möglichen Therapiebeginns und eine mögliche Prognose erlauben sollte. Diese Klassifikation hat bis heute Gültigkeit, auch wenn sich insbesondere die Prognosestellung, das heißt die Überlebenswahrscheinlichkeit mit der Verbesserung der HIV-Therapie im Laufe der Jahre stark gewandelt hat.


Die Verschlüsselung erfolgt mit den Buchstaben A bis C und den Zahlen 1 bis 3.

 

Die Buchstaben umschreiben die klinischen Kategorien:

A = symptomfreie HIV-Infektion bis auf eine mögliche allgemeine Lymphknotenschwellung einschliesslich der akuten HIV-Infektion

B = In einer Liste festgelegte Erkrankungen mit typischen Symptomen und oder typischen Erkrankungen, die häufig im Rahmen einer HIV-Infektion mit Schädigung des Immunsystems vorkommen.

C = In einer Liste festgelegte AIDS definierende Erkrankungen

Die Zahlen umschreiben Bereiche einer bestimmten CD4-Zellzahl (T-Helferzellen) im Blut:

1: > 500/µl CD4-Zellen

2: 200-500/µl CD4-Zellen

3: < 200/µl CD4-Zellen

Man kann die HIV-Infektion auch in die akute HIV-Infektion, symptomfreie HIV-Infektion, symptomatische HIV-Infektion und das Vollbild AIDS einteilen.

Akute HIV-Infektion

Tage bis Wochen nach einer Infektion mit dem HI-Virus treten bei 40-90% der Infizierten körperliche Beschwerden auf. Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Hautausschläge oder Durchfälle sind aber nur schwierig von anderen Viruserkrankungen wie grippalen Infekten zu unterscheiden.

Eine HIV-Infektion kann mit verschiedenen Testsystemen (HIV-Schnelltests, HIV-Selbsttests, HIV-Einsendetests) nachgewiesen werden. Zwischen Infektion und Nachweisbarkeit können aber, je nach Testverfahren, einige Wochen (meist 6-12) vergehen. Ein direkter Virusnachweis mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) weist eine Infektion meist früher als ein Antikörper/Antigen Test nach und ist in spezialisierten Einrichtungen möglich.

Informationen zum Thema "Möglichkeiten der Testung" bieten verschiedene Institutionen an.

Symptomfreie HIV-Infektion

Eine HIV-Infektion muss weder in der akuten Phase direkt nach Ansteckung, noch in der chronischen Phase, nach Etablierung des Virus im Körper, mit Beschwerden einhergehen. Nur ein HIV-Test oder ein direkter Virusnachweis kann die Frage nach einer möglichen Ansteckung mit dem HI-Virus beantworten.

HIV-infiziert zu sein ohne Symptome zu haben, bedeutet nicht, andere Menschen nicht anstecken zu können!

In den letzten Jahren gab es regelmässige Veränderungen in der Einschätzung, wann eine medikamentöse Therapie (ART = antiretrovirale Therapie) notwendig ist. MIttlerweile hat sich aber international die "frühe" Einleitung einer ART nach Diagnosestellung für die meisten

HIV-Infizierten durchgesetzt. Eine ART mit dem Ziel die HI-Virusvermehrung zu unterdrücken kann das Immunsystem verbessern und

HIV-assoziierte Komplikationen sowie die Übertragbarkeit des Virus auf andere Menschen verhindern.

Die Entscheidung für oder gegen eine ART sollte zusammen mit einem/r erfahrenen Behandler/-in getroffen werden.

Symptomatische HIV-Infektion

Die symptomatische HIV-Infektion meint im Sinne der CDC-Klassifikation B das Auftreten von Beschwerden oder Erkrankungen, die mit der HIV-Infektion ursächlich zusammenhängen, aber nicht unter dem Vollbild AIDS gefasst sind.

Dazu gehört etwa die orale Haarleukoplakie (OHL), die Pilzerkrankung des Mundes und eine Erkrankung der peripheren Nerven (periphere Polyneuropathie=PNP).

Die wichtigsten Therapieleitlinien (u.a. DHHS, Deutsch-Österreichische, EACS) empfehlen eine antiretrovirale Therapie der symptomatischen HIV-Infektion.

AIDS

Als Vollbild AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), CDC  Klassifikation C, ist das Auftreten bestimmter, sogenannter AIDS-definierender Erkrankungen definiert.

Zu diesen gehört etwa das Kaposi-Sarkom, die Pneumocystis-Lungenentzündung oder die Pilzerkrankung der Speiseröhre. In den Vereinigten Staaten ist der Begriff AIDS um den Abfall der T-Helferzellzahl auf weniger als 200/µl erweitert worden.

Wie auch bei der symptomatischen HIV-Infektion, empfehlen die wichtigsten Therapieleitlinien (u.a. DHHS, Deutsch-Österreichische, EACS) eine antiretrovirale Therapie in dieser Phase der HIV-Infektion.